Ursachen der Gefährdung

 

Unsere Vogelwelt ist heutzutage zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt, die nicht zuletzt von uns selbst ausgehen. Wo der Mensch in die Natur eingreift, um sie nach seinen Bedürfnissen zu verändern, haben oft die Tiere und eben auch meist die Vögel das Nachsehen. So ist nicht allen Arten die Anpassung an den Menschen so gut gelungen, wie beispielsweise Amsel, Haussperling, Mehl- und Rauchschwalbe, etc. Dass von den genannten Arten trotzdem 3 von 4 auf der Roten Liste stehen zeigt, dass es aber auch hier Probleme gibt...

 

Lebensraumzerstörung:

So sind gerade die Vogelarten selten geworden, die sich nur in ruhigen, naturbelassenen Gebieten aufhalten und gegenüber Störungen empfindlich reagieren. Die ganzen Moor- und Sumpfbewohner wie u.a. Bekassine, Bruchwasserläufer und Kiebitz sind in Deutschland stark in ihren Beständen bedroht, denn nahezu alle Moore wurden trocken gelegt, z.B. um Torf zu gewinnen oder auch nur um Mückenplagen zu beseitigen und damit gingen auch die geeigneten Lebensräume für oben genannte Arten verloren. Auch durch die Intensivierung der Landwirtschaft, also das Umbrechen von Brachflächen, den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln und die Flurbereinigung haben viele Arten in ihren Beständen eingebüßt. Das Watt als Weltnaturerbe ist ebenfalls ein sehr wichtiger und unersetzbarer Lebensraum. Es wird durch den Klimawandel, der immer heftigere Stürme bringt, welche Erosion nach sich ziehen, zerstört und durch den Bau von Offshore-Windparks oder die Ölförderung stark beansprucht und nicht zuletzt durch Massentourismus für viele Vogelarten als Brutplatz unbrauchbar. Die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums ist sicher eine der größten Gefährdungsursachen und wird vielleicht noch zum Aussterben der ein oder anderen Vogelart bei uns in Deutschland führen.

 

Falsches Verhalten in Schutzgebieten:

Die logische Konsequenz aus den immer stärker schwindenden Lebensräumen für bestimmte Arten ist die Einrichtung von speziellen Schutzgebieten, in welchen sie eben jenen Lebensraum, den sie benötigen, noch vorfinden. In der Theorie klingt dies auch gut, doch auch hier läuft nicht alles wie es sollte, denn viele Natur- oder Vogelschutzgebiete sind auch dem Menschen zugänglich gemacht, der sie als Naherholungsgebiete nutzen darf. Doch selbst wenn Schilder und Hinweise auf die dort geltenden Regeln am Eingang vieler Naturschutzgebiete angebracht sind, nützt auch dies nichts, wenn sie nicht befolgt werden. Und so werden leider selbst in Nationalparks oder Naturschutzgebieten, wo der Mensch eigentlich nur "Gast" in der Natur sein sollte, durch falsches Verhalten (unangeleinte Hunde, Angeln trotz Verbot, Grillen ohne Erlaubnis, Paddeln oder im Norden auch Kite-Surfen in eigentlich abgesperrten Bereichen, Badebetrieb, unsachgemäße Müllentsorgung, etc.) die letzten Rückzugsorte vieler seltener Arten unbrauchbar gemacht.

 

Illegale Jagd:

Viele unserer Zugvögel haben außerdem noch andere Probleme: In zahlreichen Mittelmeerländern, die sie zur Zugzeit überfliegen, werden sie (meist illegal) bejagt und finden so anstatt einer Gelegenheit zum Rasten den Tod. So sind die bei uns stark gefährdete Turteltaube neben Wachteln und seltenen Greifvögeln eine oft bejagte Art. Doch auch in Deutschland kommt es leider v.a. im Winter zum Abschuss seltener Gänsearten, wie z.B. Kurzschnabel- oder Zwerggans, weil sie fälschlicherweise für Graugänse gehalten werden. Viele durchziehende Gänse sind auch im Norden nicht gerne gesehen (v.a. Nonnen- und Ringelgänse), weil von den Landwirten Fraßschäden auf den Äckern befürchtet werden. Dabei sind sie selbst nicht unschuldig an dem Problem, da sie viele Weiden und brachliegende Flächen, die den Gänsen früher als Rastplatz dienten, umgebrochen haben. Da die arktischen Gänse geschützt sind, dürfen sie nicht bejagt werden und auch das Aufscheuchen von einem Acker zum anderen ist sinnlos, denn hierbei verbrauchen die Gänse nur zusätzlich Energie, weshalb sie einen noch höheren Nahrungsbedarf haben.

 

Trotz Anpassung nicht sicher: Kulturfolger

Auch sogennante Kulturfolger, also Arten, die sich mit der Zeit an den Menschen stark angepasst haben, sind nicht sicher. So stehen typische Arten wie Haus- und Feldsperling auf der Vorwarnliste, Rauch- und Mehlschwalbe sind sogar gefährdet, denn genau die oben genannte Anpassung wird ihnen zum Verhängnis. Nahezu alle Schwalben bauen ihre Nester an von Menschen gemachten Gebäuden. Wenn sie jedoch genau hier nicht mehr geduldet werden, weil sie so unbequem sind und Vogelkot oder das ständige Piepen der Jungvögel nicht gerne "ertragen" wird, werden viele Nester entfernt. Das ist zwar gesetzlich verboten, weil eben diese Bedrohung erkannt wurde, interessiert aber leider nur wenige.

 

Das traurige Fazit:

Fast die Hälfte aller einheimischen Vogelarten steht auf der Roten Liste, weitere 16 sind ganz als Brutvogel ausgestorben. Wenn dies nicht noch mehr werden sollen, muss etwas unternommen werden. Oft sind Unwissenheit und ein fehlender Bezug zur Natur die Hauptgründe, warum überhaupt, selbst wenn schon Vorschriften vorhanden sind, diese trotzdem nicht beachtet werden. Es ist einfach schade, wenn das Piepen von Jungvögeln der Haussperlinge am Balkon als lästig empfunden und nicht im Gegenteil mit Freude betrachtet wird, dass sich ein Stückchen Natur in direkter Reichweite befindet und eine mittlerweile selten gewordene Art am eigenen Haus brütet.

Und sogar wenn man selbst nun die Gefährdung der einheimischen Brutvögel erkannt hat, kann man nichts dagegen tun, um dies zu ändern. Wirklich?- Nein! Hier sind einige Maßnahmen, die jeder ergreifen kann, um es den Vögeln in seinem Umfeld wieder etwas lebenswerter zu machen.

 

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In Deutschland schon praktisch ausgestorben: der Bruchwasserläufer




Unter diesem Schild ist meist eine Tafel mit Vorschriften im NSG







Im Flug mit der Graugans leicht zu verwechseln: Kurzschnabelgans






Auf den Menschen angewiesen: Haussperling